Hohmann, die Juden und seine treuen Parteifreunde von der CDU

"Das eigentlich beschämende und entmutigende an dem Fall des Rechtsextremen Hohmann ist die hierzulande breit bestehende und stetig wachsende enorme Aufnahmebereitschaft für das von Hohmann verbreitete Gedankengut larmoyanter nationaler Selbstgerechtigkeit, Opferverleugnung und -diffamierung sowie antijüdischer Ressentiments.

 Das beweisen nicht nur die dümmlich verlogenen Äußerungen des CDU-Kreisvorsitzenden Kramer sondern vor allem all die halbherzigen, zahnlosen und allein auf das publizistische Alibi beschränkten Ermahnungsübungen vieler seiner CDU-Parteifreunde, die ihm vor allem die Dummheit seiner eigenen Enttarnung nicht aber seine Haltung vorwerfen.

 Der Umstand, dass ihm eine Volkspartei wie die CDU jahrzehntelang - trotz zahlreicher vorgelaufener Entgleisungen und seiner allseits bekannten Haltung - völlig unwidersprochen die notwendige politische Plattform gewährt hat und es mit dem Einverständnis vieler ihrer prominenter Sprecher immer noch tut, spricht genauso für die landesweite Existenz eines tiefverwurzelten antijüdischen Vorbehalts, wie die Tatsache, dass Hohmann ungehindert und widerspruchslos, eingebettet in eine bis heute anhaltende Atmosphäre des Wohlwollens, der Übereinstimmung und der Sympathie großer Teile seines Heimatkreises seine ungeheuerlichen Thesen verbreiten konnte, ohne auch nur Dissens, geschweige denn Konsequenzen befürchten zu müssen.

 Die Tatsache, dass ausgerechnet Hohmann von seiner Partei an exponierter Stelle mit Angelegenheiten der Zwangsarbeiterentschädigungen beauftragt wurde, ist keinesfalls Zufall sondern hat System und ist in Wahrheit kein Skandal Hohmann sondern ein handfester Skandal CDU.

 Die nunmehr unverhohlen mit dem Ziel der Rettung Hohmanns ausschließlich der Parteiraison entsprungene, um Jahre verspätete Entschuldigung bildet hier keinesfalls eine Umbesinnung ab, sondern bestärkt mit der widerwilligen Art ihres Vorbringens nur den oben genannten Sachverhalt.

 Nur eine sofortige und vorbehaltlose Enfernung Hohmanns aus Amt und Partei könnte den bestehenden Flurschaden wenigstens eingrenzen. Leider sind die hierfür Verantwortlichen gerade dabei auch diese Chance wieder zu verpassen.

 Dr.Rafael Korenzecher

Herausgeber Jewish Berlin Online

ehem. Repräsentant der Jüdischen Gemeinde Berlin

ehem. Mitglied des Rundfunkrats des SFB

4.11.03 14:26

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