Superman Obama ante portas --  eine Ode an die Freude 

von Dr. Rafael Korenzecher

Darf man der sich heutzutage weltweit rasant ausbreitenden Spezies Gutmensch und der global nahezu gleichgeschaltet dem heutigen Tag entgegenjubilierenden Gutmenschpresse Glauben schenken, dann ist der heutige Tag, der 20. Januar 2009, ein wundervoller Tag, ein Tag, an dem das lange Warten endlich ein Ende gefunden hat.


 
Der Erlöser in Gestalt eines charismatischen Sunnyboys, die Pop-Ikone des better America, ist zusammen mit seinen von den vielen Parties gelangweilten Freunden und Unterstützern aus der Musikszene und Hollywoods Weltverbesserungs-Chickeria  endlich und fan-umjubelt in Washington angekommen.


Deutschland sucht ihn noch -- Amerika und die Welt aber haben den Superstar bereits gefunden.


Nur noch ein paar Stunden, nur noch einen kurzer Augenblick and we sure can.


Messias Obama wird uns mit seiner Botschaft beglücken und uns den Weg weisen ins neue Nirwana. Party everywhere and Party forever – Freude soweit das Auge reicht.


Und Grund zur Freude gibt es ja schließlich mehr als genug:


George Bush, der fundamentalistische Gotteskrieger aus Texas,  der das unverzeihliche Verbrechen begangen hat, die Welt derartiger Lichtgestalten und Hoffnungsträger wie Sadam Hussein beraubt  zu haben und gegen den islamistischen Terror zu kämpfen, muss endlich gehen und gleich nach ihm gehen auf Obamas Geheiß in die wohlverdiente Freiheit und Wiedereingliederung in ihre bisherige segensreiche Tätigkeit auch sämtliche so schrecklich victimisierten Al-Quaida Terroristen und Sympathisanten aus dem obsolet gewordenen Guantanamo: Freude in Reinkultur.


Auch im Nahen Osten geht man rechtzeitig zur großen Washington-Party wieder zur üblichen Routine über: die heldenhaften Friedenskämpfer der Hamas kriechen wieder aus ihren Verstecken in Schulen, Kindergärten und Krankenhäusern, in die sie sich vor der israelischen Armee mutig zwischen Kindern und Kranken verkrochen haben, und führen schon mal - bevor sie sich wieder ihrer Lieblingstätigkeit , dem Raketenbeschuss von Schulkindern im israelischen Feindesland zuwenden, Säuberungen unter ihrer eigenen Bevölkerung durch, indem sie schon Stunden nach dem Rückzug der israelischen Soldaten die ersten Ermordungen von vermeintlich Kollaborateuren und Fatah-Anhängern in zweistelliger Zahl begangen haben, natürlich vor dem Hintergrund des schlagartig abgeebbten Gutmensch-Interesses an dem Schicksal der der Hamas ausgelieferten palästinensischen Bevölkerung.

 

Für derartige Details ist die westliche Gutmensch-Szene und ihre Medien zu sehr beschäftigt mit ihrer Freude, dass der kalte Genocid der israelischen Agressoren am unschuldigen palästinensischen Volk in Gaza als Tribut an Obamas Amtseintritt gestoppt werden konnte.

Unter dem Beifall des türkischen Obama-Freundes Erdogan und mit Hilfe der in zahlreichen europäischen Städten abgehaltenen kraftvollen und friedlichen „Tod-den-Juden und „Israel-Mörder“  Skandier- und Flaggenverbrennungs-Demos der mit den überaus friedliebenden Hamasterror-Anhängern vereinten Kommunisten- Nazi- und Gutmenschszene und aus berechtigter  Angst der israelischen Übeltäter vor der Augenbrauen-Hochzieh-Reaktion des neuen US-Präsidenten Obama nahezu bedingungslos und unter Rettung der freiheitsliebenden Hamas-Regierung und deren bewahrter Fähigkeit auch weiterhin harmlose Friedensraketen nach Israel abzuschiessen. Vorzeitig und ohne Erreichung der mordlüsternen Ziele des israelischen Kriegstreibers, sein ohnehin nur geraubtes Territorium und seine Bürger vor den ohnehin harmlosen Silvester-Knallern der Hamas-Patrioten zu schützen und den in aller Gastfreundschaft seit 870 Tagen verschleppten und gefolterten Israeli Shalid zu befreien, mit einem Satz: Freude pur.


Ohne Frage hilfreich bei dieser für die Hamas ehrenvollen Kräfte- und Waffensammel-Verschnaufpause durften die heimlichen Direkt-Absprachen der eindeutig Hamas-freundlichen Obama-Reiseemmissäre mit den tapferen Hamasführern im ach so frontnahen Damaskus gewesen sein.

Wichtig ist vor allem, dass die Mega-Spass-Party für den neuen Heilsbringer Obama nicht durch derartige Hässlichkeiten, wie sie der Schutz jüdischen Lebens vor dem Hamas-Terror darstellt, all zu sehr gestört werden  - da wird man wohl erwarten dürfen, dass die Israelis schon im eigenen Interesse verstehen, wo man zurückzustecken hat.

Dass mit dem Rückzug der Israelis der Hamas-Terror und das Ermorden der vermeintlichen Kollaborateure unter der palästinensischen Gaza-Bevölkerung schon wieder begonnen hat, interessierte unsere Gutmenschen und die weltweite Obama-Jubelgemeinde ohnehin noch nie wirklich.

Freude über den Rückzug, Freude über Obama, reine Freude überall -- The show must go on -- die Stunde der Gutmenschen ist gekommen.

Ach ja, vielleicht noch eins für die Geschichtskenner unter den Fans des sich selbst in geistiger Nähe zu Lincoln wähnenden Barak Obama:

Ein Abraham Lincoln, der opferbereit gegen die südstaatlichen Sklavenhalter einen gerechten Krieg für eine gerechte Sache geführt hat, ist Obama nun wirklich nicht --- diese Parallele trifft sicherlich viel eher für Präsident George W. Bush zu, der in der künftigen Geschichtsschreibung mit großer Sicherheit nicht annähernd so schlecht wegkommen wird, wie es uns das Bündnis aus verbohrten globalen Amerika-Gegnern, EU-Klimahysterikern, hegemonialen im mittelalterlichen Wertesystem verharrenden Islamisten, pseudoprogressiven linken und ewiggestrigen rechten Feinden der westlichen  Demokratie, eingefleischten Judenfeinden und Israelhassern  und der schlicht einseitig erblindeten hypokritischen Gutmensch-Connection a la Claudia Roth und den verlogenen wasser-predigenden und wein-trinkenden Neu-Establishment Parvenues und RAF-Sympathisanten aus der 68er Hausbesetzer und Steinwerfer-Szene mit doppelter Moral und gleichzeitigem Ostermarschierer-Heiligenschein a la Jürgen Trittin. 

In der absichtlich geschaffenen Intransparenz und Ungreifbarkeit seiner wirklichen politischen Standorte und Absichten wäre Barak Obama in der amerikanischen Sezessionszeit eher ein smarter und idealer Vertreter der opportunistischen "peace democrats", und der "copperheads" gewesen, die  gegen Lincolns prinzipientreue - man ist versucht zu sagen - fast fundamentalistische - Haltung ohne Zögern bereit waren, das Ideal der Abschaffung der Sklaverei dem schnell vorzeigbaren Erfolg einer Waffenruhe mit dem feudalen Sklavenhalter-Süden zu opfern.

Wäre Abraham Lincoln tatsächlich wie unsere Gutmenschen Barak Obama sehen, wäre die Sklaverei vielleicht später, jedenfalls lange nicht in der von President Lincoln geprägten Zeit beseitigt worden. 

Nur die Geschichte kann eine derartige Satire zu dem ersten vermeintlichen Vertreter des schwarzen Amerika schreiben.

Egal, heute steigt das Mega-Event und das Obama-Merchandising läuft zur Freude der Händler auf vollen Touren.

Der Umbau Amerikas beginnt und jeder verdient seine Chance.

Ob es wirklich eine Freude wird für die westliche Welt bleibt abzuwarten.

Nicht wenige Menschen in Amerika üben bereits " how to survive the obama years " . Vielleicht sollten wir uns zum Schutz vor der Übermacht der Gutmenschen anschließen. Yes, we sure should.....

Dr.Rafael Korenzecher 

4 Kommentare 20.1.09 07:22, kommentieren

Gaza Post-War Reflections.....

sollten an dieser Stelle meine Gedanken und meine Skepsis nach dem schnellen Auszug der israelischen Armee aus Gaza wiedergeben....dabei bin ich auf folgenden offenen Brief des arabischen Korrespondenten Youssef M. Ibrahim gestossen, den ich hier unbedingt an Stelle eines eigenen Beitrags posten möchte, da er alles, was zu sagen wäre, in treffgenauer Form wiedergibt ( Dr.Rafael Korenzecher):

The War with Israel Is Over.................and they won.

By Youssef M. Ibrahim

To my Arab brothers: The War with Israel Is Over - and they won. Now let's finally move forward

With Israel entering its fourth week of an incursion into the same Gaza Strip it voluntarily evacuated a few months ago, a sense of reality among Arabs is spreading through commentary by Arab pundits, letters to the editor, and political talk shows on Arabic-language TV networks. The new views are stunning both in their maturity and in their realism. The best way I can think of to convey them is in the form of a letter to the Palestinian Arabs from their Arab friends:

Dear Palestinian Arab brethren:

The war with Israel is over.

You have lost. Surrender and negotiate to secure a future for your children.

We, your Arab brothers, may say until we are blue in the face that we stand by you, but the wise among you and most of us know that we are moving on, away from the tired old idea of the Palestinian Arab cause and the "eternal struggle" with Israel.

Dear friends, you and your leaders have wasted three generations trying to fight for Palestine, but the truth is the Palestine you could have had in 1948 is much bigger than the one you could have had in 1967, which in turn is much bigger than what you may have to settle for now or in another 10 years. Struggle means less land and more misery and utter loneliness.

At the moment, brothers, you would be lucky to secure a semblance of a state in that Gaza Strip into which you have all crowded, and a small part of the West Bank of the Jordan. It isn't going to get better.

Time is running out even for this much land, so here are some facts, figures, and sound advice, friends.

You hold keys, which you drag out for television interviews, to houses that do not exist or are inhabited by Israelis who have no intention of leaving Jaffa, Haifa, Tel Aviv, or West Jerusalem.

You shoot old guns at modern Israeli tanks and American-made fighter jets, doing virtually no harm to Israel while bringing the wrath of its mighty army down upon you. You fire ridiculously inept Kassam rockets that cause little destruction and delude yourselves into thinking this is a war of liberation.

Your government, your social institutions, your schools, and your economy are all in ruins.

Your young people are growing up illiterate, ill, and bent on rites of death and suicide, while you, in effect, are living on the kindness of foreigners, including America and the United Nations. Every day your officials must beg for your daily bread, dependent on relief trucks that carry food and medicine into the Gaza Strip and the West Bank, while your criminal Muslim fundamentalist Hamas government continues to fan the flames of a war it can neither fight nor hope to win.

In other words, brothers, you are down, out, and alone in a burnt-out landscape that is shrinking by the day.

What kind of struggle is this? Is it worth waging at all? More important, what kind of miserable future does it portend for your children, the fourth or fifth generation of the Arab world's have-nots?

We, your Arab brothers, have moved on.

Those of us who have oil money are busy accumulating wealth and building housing, luxury developments, state-of-the-art universities and schools, and new highways and byways. Those of us who share borders with Israel, such as Egypt and Jordan, have signed a peace treaty with it and are not going to war for you any time soon. Those of us who are far away, in places like North Africa and Iraq, frankly could not care less about what happens to you.

Only Syria continues to feed your fantasies that someday it will join you in liberating Palestine, even though a huge chunk of its territory, the entire Golan Heights, was taken by Israel in 1967 and annexed. The Syrians, my friends, will gladly fight down to the last Palestinian Arab.

Before you got stuck with this Hamas crowd, another cheating, conniving, leader of yours, Yasser Arafat, sold you a rotten bill of goods - more pain, greater corruption, and millions stolen by his relatives - while your children played in the sewers of Gaza.

The war is over. Why not let a new future begin?

Youssef M. Ibrahim, a former New York Times Middle East Correspondent and Wall Street Journal Energy Editor for 25 years, is a freelance writer based in New York City and Dubai in the United Arab Emirates.

1 Kommentar 20.1.09 19:58, kommentieren

Solidarität light  –  with a little help from my friends…..
Dr.Rafael Korenzecher
                                                                                                                          
In einer Welt, in der der die Medien und die veröffentlichte Meinung und damit auch das public feeling von der heuchlerischen Weinerlichkeit selbsternannter Gutmenschen und Verdreher des gesunden Menschenverstandes, Palästina-Versteher, selbstqualifizierter Nahost-Experten, verbohrter Israel-Gegner und mehr oder minder getarnter Judenfeinde dominiert werden, war es unerläßlich, gerade in Deutschland und dort vor allem gerade in Berlin mit einer eindeutigen Solidaritäts-Kundgebung für Israel und für sein - keinem anderen Land verweigertes - Recht auf Selbstverteidigung und Schutz seiner Bürger ein klares Zeichen zu setzen.

Es musste ein Zeichen gesetzt werden, dass es sie noch gibt, die Sympathie und Unterstützung für die einzige friedliebende Demokratie in der gesamten Region, die sich, ohne müde werden zu dürfen, jeden einzelnen Tag seit ihrem Bestehen - in einem sie umgebenden Meer des Terrors und des Hasses, der Menschen- und der Lebensverachtung - vor der physichen Vernichtung ihres Staates und ihrer Menschen unter nahezu unerträglicher Aufbietung zahlloser Opfer unter der eigenen Bevölkerung zur Wehr setzen muß.

In dieser Erwartung kamen die Menschen - Juden und Nichtjuden – am 11.01.2009 zum Breitscheidplatz, in dieser Erwartung haben wir, habe ich den Solidaritätsaufruf unterstützt und gezeichnet.
Das, was dann am frühen Nachmittag seitens der ausgewählten Redner über uns ergangen ist, wäre mit dem Wort enttäuschend unzulässig euphemistisch und falsch ettikettiert -- es war würdelos und es war - wie auch die berechtigt ablehnende Reaktion der bestürzten Kundgebungs-Teilnehmer auswies - bis zur Fassungslosigkeit beschämend.

Hätte es nicht die klaren - wenn auch in eindeutiger pro domo Absicht gesprochenen - Worte des iranischen Oppositionsredners Dr.Mousavi und die insgesamt positive Rede von Herrn Löhning gegeben, hätten die Redebeiträge von Walter Momper und insbesondere von Frau Eichstädt-Bohlig mit ihren eindringlichen Ausgewogenheitsermahnungen und Siedlungspolitik-Rügen an die Adresse Israels durchweg das Gefühl rechtfertigen können, sich auf einer Gegendemo zu befinden.

Vor allem die von Frau Eichstädt-Bohlig gegenüber Israel vorgenommene haarsträubende und faktenverdrehende moralische Schuldzuweisung, die in der Behauptung kulminierte, Israel könne diesen Krieg moralisch nicht gewinnen, stellte - neben seiner prinzipiellen Haltlosigkeit - auf einer Pro-Israel Veranstaltung einen handfesten Eklat dar.

Daran vermochten auch die, für eine Solidaritätskundgebung, allzu neutrale Rede von Frank Henkel und schon gar nicht die das eigene Publikum wegen seines deutlich bekundeten Unmuts rügende und ansonsten - statt der erforderlichen sofortigen Zurückweisung - angstmachend rückgratlose Moderation der führungsschwachen Gemeindevorsitzenden etwas zu ändern.

Die dennoch abschließend hingestammelten Dankworte der Initiatoren sind wohl eher als Zeichen der im Affekt verarbeiteten Ratlosigkeit zu verstehen, vermochten jedoch keinesfalls die aufgebrachten und trotz Kälte tatsächlich in Solidaritätsabsicht erschienenen Teilnehmer zu beruhigen.

Bleibt zu befürchten, dass die Schadenfreude aller aufrechten Israel-Hasser über diese verpasste Gelegenheit demonstrierter Solidarität ebenso wirkungslos an den hier zum Zuge gekommenen Gutmensch-Rednern abprallt, wie die Fakten und Kausalitätszusammenhänge, die der gegenwärtigen Bedrohung Israels zu Grunde liegen.

Mit Betroffenheit
Dr.Rafael Korenzecher
                                                                                                           
Siehe hierzu auch folgende Fremdbeiträge:
Berlin: Antiisraelische Tiraden auf Israel SolidaritätsDemo 
Von Holger Raak
Für einen ausgewachsenen Eklat auf der Berliner Solidaritätskundgebung sorgte die Fraktionsvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Franziska Eichstädt-Bohlig…

 Im Vorfeld der Kundgebung war ich sehr überrascht, als ich die Rednerliste las. Ich hatte meine Zweifel, ob Frau Eichstädt-Bohlig da auf der richtigen Veranstaltung sei - sagte mir, aber: Gut, wenn sie ihre Solidarität mit den Menschen in Israel erklären möchte, dann soll mir das Recht sein. Nur dann kamen die schlimmsten Ausfälle nicht etwa von den paar Dutzend Gegendemonstanten am Rande der Kundgebung. Nein, sie kamen direkt von der Bühne, auf Einladung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin….aus dem Munde von Frau Eichstädt-Bohlig. Mit ihrer Rede hätte sie problemlos einen Tag früher auf der Pro-Hamas-Demo der Palästinenser auftreten können.

Frau Eichstädt-Bohlig ging zunächst erstmal jedes Feingefühl für die Situation verloren - es war eine Solidaritätskundgebung FÜR Israel. Wem wollte sie mit ihrer mysteriösen Aussage: “…das beeinhaltet aber auch, es muss ein dauerhaftes Existenzrecht für die Palästinenser geben. …” erreichen. Denn das wird von niemanden in Frage gestellt. In Israel spricht den Palästinensern niemand das Existenzrecht ab oder will sie “ins Meer treiben”. Weiter meinte sie: “…(Israel) muss sich fragen lassen, ob das Ziel der Unterbindung der Raketenangriffe und des Waffenschmuggels nicht doch auch mit weniger brutalen militärischen Mitteln erreichbar ist!…” . Warum haben sie diese Frage nicht genau andersrum - an die Hamas - gestellt, Frau Eichstädt-Bohlig? Und wenn sie Israel jetzt schon den moralischen “Sieg” absprechen, dann drücken sie damit auch aus, dass Israel kein moralisches Recht hatte, gegen die Angriffe der Hamas vorzugehen und seine Bürger zu schützen. Hier bediente die grüne Rednerin den klassischen antisemitschen Stereotyp vom “amoralischen, blutrünstigen und brutalen” israelischen (jüdischen) Soldaten.

Natürlich verlor sie keine Silbe darüber, dass trotz der Terroranschläge Israel seit Jahren und auch aktuell in diesem Konflikt nicht nur umfangreiche humanitäre Hilfe in den Gazastreifen schickt, sondern dass Menschen aus dem Gazastreifen auch immer wieder zu notwendigen Behandlungen in israelische Krankenhäuser gehen können - denn solche profanen Tatsachen würden ja das hübsche Zerrbild stören, dass sich Frau Eichstädt-Bohlig zurecht gelegt hat. Und wenn die Hamas-”Kämpfer” dann so extreme Feiglinge sind, dass sie sich unter der Zivilbevölkerung verstecken, ist das moralisch verwerflich für jene und nicht für die israelischen Soldaten.

Es war immer nur zu hören, dass Israel “muss” und “soll”, aber die Palästinenser dagegen “dürfen” und “sollten”. Frau Eichstädt-Bohlig hätte dann auch mal sagen sollen, wie man mit der Hamas verhandeln soll, wenn diese nicht will bzw. Abkommen mit Füssen tritt. Was bewundernswert war, ist ihr Durchhaltevermögen: Denn so eine Rede bis zum Ende unter andauernden “Buh”-Rufen und Pfeifkonzerten durchzuhalten - das schafft nicht jeder.

Frau Eichstädt-Bohlig sollte eigentlich wissen, dass nicht Israel den Waffenstillstand, der schon vorher von der Hamas laufend gebrochen wurde, Ende Dezember aufgekündigt hat, sondern die Hamas sich diesen Luxus gönnte. Es waren israelische Zivilisten, die unter dem jahrelang andauernden Beschuss mit “selbstgebastelten” (wie Karin Storch, ZDF/Heute-Korrespondentin in Israel so absurd verniedlichend mitzuteilen wußte) Raketen zu leiden haben. Israel hat wiederholt die Hamas aufgefordert, diesen Beschuss zu unterlassen, sonst würde der Staat Israel zum Schutz seiner Bürger gezwungen sein, mit militärischen Mitteln zu antworten. Und es ist die Hamas, die sicher auf Weisung Irans, sich allen Waffenstillstandsverhandlungen widersetzt. Aber all das hat Frau Eichstädt-Bohlig nicht mitbekommen, denn nur so ist zu erklären, dass sie aus “tiefer Freundschaft” zu Israel nicht lautstark gegen die terroristische Hamas protestiert hat, sondern so wie sie es am Sonntag in einer völlig realitätsfernen Art und Weise gegen Israel getan hat.

Als diese Rednerin fertig war, meinte dann noch die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Lala Süßkind, man müsse ihr das Recht zur freien Meinungsäußerung lassen. Ja, sicher hat sie das Recht, aber die Teilnehmer der Kundgebung haben das Recht auch, und sie haben reichlich davon Gebrauch gemacht. Eine solche Belehrung hat niemand der Teilnehmer nötig! Vielleicht sollte sich die Gemeinde in Zukunft, wenn sie sich an die Initiative einer solchen Aktion anschließt, mit den Initiatoren im Interesse der Sache besser abstimmen, denn diese hätten von vornherein Frau Eichstädt-Bohlig nicht dabei haben wollen.

Quelle- Hagalil.com

Offener Brief an Frau Eichstädt-Bohlig von Dr. Elvira Grözinger 

An Bündnis 90/Die Grünen im Abgeordnetenhaus zu Berlin
Fraktionsvorsitzende Frau Eichstädt-Bohlig

Sehr geehrte Frau Eichstädt-Bohlig,

wie Sie sicherlich an den Reaktionen der Versammelten am 11.01.09 auf dem Breitscheidtplatz gemerkt haben, sind einige Passagen Ihrer Rede auf Widerspruch gestoßen, so auch bei mir – Stellvertretende Vorsitzende der deutschen Sektion der Wissenschaftlervereinigung Scholars for Peace in the Middle East -, der 21.000 Akademiker weltweit angehören, allerdings bei weitem nicht nur „Angehörige der jüdischen Weltgemeinschaft“, wie Sie es wiederholt genannt haben.
Erlauben Sie mir bitte daher, unseren Standpunkt darzulegen, der sich mit Ihrem nicht deckt.
Ich glaube Ihnen und freue mich, dass Sie für das Existenzrecht Israels in friedlichen Grenzen eintreten, das tun wir alle, nur nicht die Feinde Israels, wie Hamas, Iran, Al-Qaida, Hizbollah, die Moslem-Brüderschaft, Islamischer Djihad und wie sie alle heißen, die eine Allianz mit den extremen Rechten in Deutschland und anderswo (Mahler & co., um nur einen Namen zu nennen) bilden. Ich frage mich daher, und nicht nur ich, wie Sie denn angesichts solcher fanatischen und unversöhnlichen Fronten, denen Israel und die von Ihnen so genannte jedoch nicht existente „jüdische Weltgemeinschaft“ ja gegenüber steht, von Friedensverhandlungen sprechen können. Ich verstehe auch nicht, wie so Sie angesichts einer solchen „asymmetrischen“ Front ausgerechnet an Israel appellieren, sich zu mäßigen -das kann ich nicht nachvollziehen. Israel ist ein sehr kleines Land in einem Meer von Arabern, die es noch vor der Staatsgründung bekämpften (in den 1920 er Jahren, insbesondere aber der Mufti von Jerusalem, Hitlers Freund und Helfer, als es z. B. Massaker an der jüdischen Bevölkerung von Hebron gab. Wenn sich das kleine Land zudem seit dem Tag seiner Staatsgründung gegen die ihn angreifenden arabischen Nachbarstaaten militärisch nicht verteidigt hätte (und damals waren es nur ganz wenige und ganz schlecht ausgerüstete Menschen, die um ihr Leben kämpfen mussten), wäre Israel jetzt nicht 60 Jahre alt geworden.

Erlauben Sie mir daher – und ich erwähne es nicht gerne, muss es aber wohl in diesem Fall – als jemand, der die Bedrohung in diesem Land selbst erlebte, Ihnen zu sagen, dass Israel das einzige Land der Juden ist, ob als Land der niemals entschädigten Flüchtlinge aus den arabischen oder europäischen Staaten, oder als Hort der Überlebenden der Shoah, zu denen meine Eltern gehörten, die als einzige in ihren Familien den deutschen Mordzug überlebt haben. Dieses kleine Land mit den wenigen Millionen Einwohnern wird von so vielen Millionen Arabern bekämpft – sollte es sich denn nicht verteidigen? Tote Juden - darunter genug Israelis in all den blutigen Kriegen und auch in Friedenszeiten – stören weniger, ich weiß, und man gedenkt ihrer gerne, vielleicht sogar ehrlich. Aber die Juden wollen nicht mehr Opfer sein und sind deshalb nicht immer nur nett. Das scheint offenbar auch solche zu irritieren, die sich als Freunde Israels betrachten. Und die Deutschen sollten es am ehesten respektieren, denn nur knapp 70 Jahre nach dem Überfall auf Polen und dem nachfolgenden begangenen Zivilisationsbruch, wobei noch die damaligen Mittäter unter uns sind, sollten sich Deutsche meiner Meinung mit Ratschlägen an die Juden zurückhalten.
Wie Ihnen vielleicht nicht mehr erinnerlich, wollten die Araber das Existenzrecht Israels in ihrer Mitte niemals anerkennen. Sie wollten es in den 1950er Jahren nicht, als sie – als Freischärler – israelische Siedlungen angriffen, man wollte Israel immer „ins Meer werfen“ und es war auch nach dem Suez-Krieg nicht anders. Es ging so weiter in den 1960er Jahren, bis sie schließlich 1967 Israel wirtschaftlich zu strangulieren versuchten, indem Ägypten ihnen die Durchfahrt durch die Meerenge von Tirana versperrte. Der 6-Tage-Krieg, der glücklicherweise mit einem israelischen Sieg endete, machte große Hoffnung auf Frieden. Aber Ägypten hatte damals klugerweise abgelehnt, den Gazastreifen zurück zu nehmen, auch nachdem ihm Sinai zurückgegeben wurde, denn es wußte, was es damit erben würde. Nun hat Israel 2005 endlich den Streifen an die Palästinenser übergeben, doch was tat die Hamas, anstatt ihr Stück Land friedlich aufzubauen? Sie verlegte sich auf Raketenbeschuß der israelischen Städte, beraubte ihre Leute durch die Einführung der Scharia der wenigen Lebensfreude, die sie hatten, und nun raubt sie ihnen, da ihre Geiseln, das Leben.

Warum soll ISRAEL nun die Blockade beenden, die sowieso, trotz Krieg, ja sogar Lebensmittel-und Medikamentenkonvois  aus Israel nach Gaza durchläßt? Um Waffenschmugglern und Selbstmordattentätern Tür und Tor zu öffnen? Und warum soll Israel seine Feinde ernähren, die anstatt die Gelder der Weltgemeinschaft, die millionenfach hinfließen zu friedlichen Zwecken zu verwenden, damit Waffenarsenale füllen, die gegen Israel gerichtet sind? Warum helfen die so reichen arabischen Länder den Palästinensern nicht? Warum werden die Palästinenser in Lagern gehalten und werden nicht in die brüderlichen Gesellschaften der arabischen Länder integriert, so wie es mit den deutschen Flüchtlingen hierzulande geschah? Oder mit den jüdischen Flüchtlingen in Israel? Warum hat Deutschland keine Kriege gegen Polen oder die Tschechoslowakei geführt, wo sie doch so viele Deutsche vertreiben oder ermordet haben, während die palästinensischen Flüchtlinge als Ausrede für Kriege gegen Israel verwendet werden und das auch noch mit Unterstützung der deutschen Medien und mancher deutschen Politiker!?

Hamas ist einer terroristische Organisation, so wie die Taliban eine terroristische Organisation sind. Gegen die Letzteren kämpfen ja bekanntlich unsere Soldaten mit anderen freiheitlichen Armeen in einem fernen Land um eine ja nicht unmittelbar an der eigenen Landesgrenze bedrohte Freiheit. Wenn jedoch Israel gegen die Hamas kämpft, die seine Bewohner mordet, das Überleben des einzigen jüdischen Staates zu sichern versucht, wird an die Adresse ISRAELS zur Mäßigung gerufen. Auch Sie taten dies am 11.1., und zwar unter Berufung auf die Verantwortung als Deutsche angesichts der deutschen Geschichte…

Es tut mir leid, Ihnen schreiben zu müssen, dass ich diese Logik nicht akzeptiere! Bitte appellieren Sie doch auch mal an die Hamas als eine immerhin  gewählte Partei im Gazastreifen wie an die obenerwähnten Terroristen, sie mögen sich doch mäßigen, mögen endlich einen eigenen Staat neben Israel in sicheren Grenzen aufzubauen beginnen, den sie übrigens niemals in der Geschichte hatten, denn die von Ihnen erwähnte Westbank war jordanisches, nicht palästinensisches Staatsgebiet! Niemand hat den Palästinensern je einen Staat weggenommen, sie haben aber eine historische Chance, einen zu erlangen, wenn sie das denn wollten. Sie mögen sich doch auch mäßigen und endlich aufhören, israelische Bevölkerung zu terrorisieren, Kinder zu traumatisieren, und Menschen  - auch dort gibt es unschuldige Frauen und Kinder - zu töten.

Sie haben gehört, was Frau Süsskind eingangs sagte, als sie Golda Meir zitierte. Das ist leider so, bis heute: Als ich am Rande einer Palästinenserdemo Ende Dezember in Berlin die moslemischen Frauen sah, die mit ihren Babies zur Demo strömten, wunderte ich mich, was ich meiner Begleiterin sagte. Das hat eine dieser Frauen gehört, sie drehte sich um, kam zu mir und sagte: „Wir machen Kinder gegen die Juden“.

Israel würde diesen Krieg moralisch nicht gewinnen, sagten Sie. Wieso? Was ist an einem Verteidigungskrieg unmoralisch? Unmoralisch sind doch vor allem diejenigen, die einen solchen Krieg vom Zaun brechen, und das ist die Hamas, die  dadurch doch nur vor dem eigenen politischen und moralischen Scheitern in Gaza ablenken will.

Und wenn ich zum Schluß noch auf die Frage der Mauer eingehe, die, wie Sie und Herr Momper angesprochen haben, angeblich ein Hindernis auf dem Weg zum Frieden sei, so will ich Sie nur daran erinnern, dass es des Mauerbaus nur deshalb bedurfte, weil die Selbstmordattentäter dadurch am Eindringen gehindert wurden. Ich selbst bin nur dank nur einiger wenigen Minuten einem solchen Selbstmordanschlag in Jerusalem entgangen, der viele Todesopfer forderte. Ich will Ihnen nicht wünschen, in einem Land zu leben, an dem Sie vor jeder Mülltonne oder jedem Supermarkteingang Angst haben müssen und jede Busfahrt für Sie ein russisches Roulette ist.

In diesem Sinne bitte ich Sie, Ihre Bereitschaft und Ihr Engagement für den Frieden im Nahen Osten dahingehend zu nutzen, diejenigen vom Vorteil einer friedlichen Lösung zu überzeugen, die diese bisher konterkarierten. Israel ist hierbei die falsche Adresse.

Mit freundlichen Grüßen
Dr. Elvira Grözinger


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Dr.K’s Findelsplitter

FROM ABSURDISTAN.....WITH LOVE

Ein politisch inkorrektes Pressereview

Splitter No. 20070531 01

i-pod Gemeinde entsetzt - oder die gesammelten Leiden des Khaled el Masri

Wie Bush und die böse, böse CIA eine Metro-Verkäuferin aus Neu-Ulm angespuckt und mit Hilfe ihres unschuldigen und willenlos gemachten Werkzeugs  - Khaled el-Masri  -  einen feigen Brandanschlag auf die Neu-Ulmer Metro-Filiale verübt haben und wie Amerika ein weiteres Mal nicht nur die unendlichen Leiden von Deutschlands Unschulds-Ikone Nr. 1 vergrößert, sondern auch noch am Vorabend von G8 die Welt durch vorsätzliche Erhöhung des CO2 – Ausstosses näher an den Rand der Klimakatastrophe gebracht hat……..und warum schweigt Apple dazu.

Dr.Rafael Korenzecher

http://drkorenz.myblog.de

Dazu Found 4 u  @ Lizaswelt

http://lizaswelt.blogspot.com/2007/05/el-masris-grundstressniveau.html

El-Masris Grundstressniveau

Bei manchen Schlagzeilen in der Tagespresse schreckt man dann ja doch noch auf. Die Headline „Masri legt Feuer in Großmarkt – in Psychiatrie eingewiesen" gehört unzweifelhaft dazu. Khaled el-Masri (Foto) also – wer war das noch gleich? Richtig: Ein Deutsch-Libanese sowie CIA-Entführungs- und Folteropfer – möglicherweise mit deutscher Unterstützung –, das nicht mehr abgehört werden darf. Außerdem wahrscheinlich militanter Islamist. Und der setzt jetzt also eine Metro-Filiale in Brand, wird daraufhin festgenommen und in die Klapse gesteckt. Das mit der Kaufhausbrandstiftung war übrigens kein Fanal für die Revolution: El-Masri wollte sich bloß dafür rächen, dass sein kaputter iPod nicht zurückgenommen wurde. Und nachdem es nichts half, dass er einer Verkäuferin ins Gesicht spuckte, griff er halt zu nachhaltigeren Mitteln

Wahrscheinlich haben ihn hierzulande nicht wenige für seine unkonventionelle Art der Beschwerdeführung sogar klammheimlich bewundert. Kennt man ja selbst: Erst kauft man vom sauer verdienten Geld Schrott, und dann kann man ihn noch nicht mal umtauschen. Da ist Rache süß, und die kann gar nicht umfangreich genug ausfallen. Aber man hat sogar noch mehr davon: „Er musste Straftäter werden, um die Therapie zu bekommen, die ihm als Opfer seit Jahren zustand", sagte el-Masris Anwalt Manfred Gnjidic, und der meinte das völlig ernst. Das Abfackeln eines Supermarktes als Hilferuf also, der wach rütteln soll – so hat doch alles irgendwie sein Gutes.

Aber damit nicht genug. Denn der Justitiar kam im Verbund mit el-Masris Psychologin Gerlinde Dötsch – einer Expertin für Akut-Traumata am Behandlungszentrum für Folteropfer in Ulm, die es mit der Schweigepflicht offenbar nicht so genau nehmen muss –
nun erst richtig in Fahrt. Die Therapie ihres Mandanten sei unzureichend, klagten die beiden, denn dieser befinde sich im „Zwiespalt zwischen Traumatherapie auf der einen Seite und dem öffentlichen Kampf um die Wahrheitsfindung auf der anderen", berichtete der Spiegel. „Das war immer das Dilemma, das wir (!) das ganze Jahr über hatten", wusste Dötsch: „Damit er nicht ganz abdriftet", habe sie mit ihrem Patienten „bisher vor allem Entspannungsübungen" absolviert und „ihn stabilisieren können".

Dennoch blieben Zweifel: „Ich hoffe immer, dass er durchhält, bis er wieder hier bei mir ist, dass er nicht zusammenbricht", sagte die Seelendoktorin angesichts el-Masris „angespannten Gesichtsausdrucks im Fernsehen". Diese Hoffnung „erhöht aber auch die Spannung". Logisch und, ja doch, spannend, denn: „Die Traumatisierung spielt da sicherlich eine ganz große Rolle, sie löst massive Erregungszustände aus." Woraus folge: „Das Grundstressniveau von Khaled el-Masri ist stets erhöht." Dötsch hat wirklich „Grundstressniveau" gesagt, ein Wort, das es bis dato allenfalls in der Fachliteratur gegeben haben kann – Google liefert exakt einen Treffer, und der führt zu dem Interview mit ihr.

Das Feuer am frühen Morgen jedenfalls – höchstwahrscheinlich ein Ausdruck des „öffentlichen Kampfes um die Wahrheitsfindung" sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass „Traumatisierte in der Regel schlecht schlafen" und deshalb offenbar zwangsläufig eine Art Hyperaktivismus entfalten. Aber sie sind auch tagsüber unterwegs: Es laufen Ermittlungen gegen el-Masri wegen gefährlicher Körperverletzung, weil er einen Mitarbeiter von Dekra verprügelt haben soll, der ihn abmahnte, weil er zu viele Stunden seiner Ausbildung zum Lkw-Fahrer verpasst hatte. Nicht zuletzt das brachte Anwalt Gnjidic dazu, nun zu bemerken, er habe gespürt, wie sein Mandant „meiner Kontrolle entgleitet". Deshalb habe er auch einen Brief an Kanzlerin Merkel geschrieben und sich damit „auf den Marktplatz gestellt und um Hilfe gerufen, um unbürokratische Hilfe". Nonkonformismus pur also – wer wollte sich da verweigern?

El-Masris Verteidiger und seine Seelenklempnerin jedoch beschweren sich über mangelnde Unterstützung, einerseits durch die Bundesregierung und andererseits durch die Krankenkasse, die „keine Finanzierungszusage gegeben" habe. Denn Behandlungszentren wie das in Ulm, für das Gerlinde Dötsch arbeitet, haben in Deutschland keine Kassenzulassung. „Er ist allein gelassen. Man kann sich zurücklehnen und warten, bis das Fass explodiert", zeterte Anwalt Gnjidic. Wenn es das dann tut, ist es jedenfalls nicht el-Masri vorzuwerfen: „Hätte er nichts getan, wären denn dann die Ermittlungen vorangegangen?" Na also. Und dann kam etwas, das den Brandstifter richtig schmerzen dürfte – sein Anwalt glaubte ihn in einem Dilemma und schlussfolgerte daher: „Dieses Kreuz muss er tragen."

Einer wie el-Masri kann also nur Opfer sein, denn als Täter – so viel ist sicher – kommt er nicht in Frage. Und wenn doch, kann er nichts dafür. Diese Aberkennung des Subjektstatus ist wahrscheinlich die schlimmste Strafe, die ihm widerfahren konnte. Dabei hat er in seinem Leben doch auch mal in vollem Bewusstsein gehandelt – aber weil nicht sein kann, was nicht sein darf, ist Khaled el-Masri jetzt in der Psychiatrie. Und das ist gut so, folgt man seinem Rechtsbeistand, denn – um es noch einmal zu sagen: „Er musste Straftäter werden, um die Therapie zu bekommen, die ihm als Opfer seit Jahren zustand." Wer ähnliche Probleme hat: Der nächste Supermarkt ist nicht weit.

verfasst von Liza um 04:02 uhr

Zum Nachlesen: Original Meldung  -  Spiegel Online 17.5.2007

Masri legt Feuer in Großmarkt - in Psychiatrie eingewiesenDie Polizei hat Khaled el-Masri wegen Brandstiftung festgenommen. Das CIA-Entführungsopfer wurde in die Psychiatrie eingewiesen - sein Anwalt sagte SPIEGEL ONLINE, er habe sich seit langem vergebens um Betreuung für seinen Mandanten bemüht, zuletzt sogar im Kanzleramt um Hilfe gebeten.
Neu-Ulm - Am frühen Donnerstagmorgen wurde gegen 4.45 Uhr im Neu-Ulmer "Metro"-Großmarkt eine Glastür eingeschlagen und ein Feuer gelegt. Eine Polizeistreife nahm in unmittelbarer Nähe des Tatorts den Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri fest - der vor drei Jahren von der CIA nach Afghanistan entführt und dort misshandelt wurde.
Bei dem Brand entstanden 500.000 Euro Schaden, verletzt wurde niemand. Die Feuerwehr konnte das Feuer rasch löschen. Ein Richter hat den 43-jährigen Masri inzwischen in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Die Staatsanwaltschaft erwirkte beim Amtsgericht Memmingen einen Unterbringungsbefehl. Der genaue Tatablauf muss noch geklärt werden.
Masris Anwalt Manfred Gnjidic sagte, seit langem sei bekannt, dass sein Mandant "ein furchtbares Folterschicksal" erlitten habe: "Er musste Straftäter werden, um die Therapie zu bekommen, die ihm als Opfer seit Jahren zustand." Der Fall Masri werde zwar seit langem in der deutschen Öffentlichkeit breit diskutiert, "aber um den Menschen hat sich nie jemand gekümmert". Niemand habe ihm einen Handlangerjob angeboten, damit er nicht über seinen furchtbaren Erlebnisse brüten müsse, und niemand habe ihm die Hand ausgestreckt. "Da sehe ich eine unterlassene Hilfeleistung von den dafür Verantwortlichen", sagte der Jurist. Vor allem Ex-Innenminister Otto Schily (SPD) wirft er vor, einen deutschen Staatsangehörigen "schlicht im Stich gelassen" zu haben.
Gnidjic sagte SPIEGEL ONLINE, dass er sich in den vergangenen Monaten intensiv um eine Betreuung für Masri bemüht habe. Vor zwei Wochen habe er einen dringenden Brief an das Bundeskanzleramt geschrieben, weil er gemerkt habe, dass sein Mandant "instabil wurde". Die "Süddeutsche Zeitung" zitiert aus dem Brief: Gnidjic habe Kanzlerin Merkel gewarnt, dass "die Angelegenheit nicht mehr zu kontrollieren sein wird". Masri lebe völlig isoliert, sein Leben spiele sich zwischen Wohnzimmer und Toilette ab. Im Supermarkt würden die Leute auf ihn zeigen, selbst mulismische Freunde hätten sich abgewendet. Masri brauche eine Psychotherapie: "Kein Mensch dieser Welt ist in der Lage, als Opfer sich selbst zu heilen."
Am 11. Mai schaltete das Kanzleramt den Angaben zufolge die bayerische Staatskanzlei ein, weil es sich nicht zuständig sah. Gnidjics Brief sei der Landesregierung mit dem Hinweis übergeben worden, es sei ein "verzweifelter und dringlicher Hilferuf", die Staatskanzlei solle die verantwortlichen Behörden auf die "Dringlichkeit der Angelegenheit" hinweisen. Am heutigen 17. Mai legte Masri dann das Feuer.
Streit mit "Metro" über defekten iPod
Er habe Masri heute bei der Polizei besucht. Er habe "völlig zusammengebrochen" gewirkt. Masri sei gezwungen gewesen, alles selbst zu machen. "Die Last ist zu groß für ihn geworden, und darunter ist er zusammengebrochen", sagte Gnjidic. "Er ist völlig am Boden." Jetzt gehe es um eine gute Psychiatrie: "Er darf nicht unter Medikamente gesetzt werden."
Zum Motiv sagte Gnidjic SPIEGEL ONLINE, dass Masri vor zwei Wochen einen defekten iPod in dem "Metro"-Markt habe zurückbringen wollen. Das Gerät wurde nicht angenommen, es kam bei mehreren Besuchen zu einem Streit um die Garantie, bei dem Masri schon sehr aggressiv geworden sei - er soll einer Mitarbeiterin ins Gesicht gespuckt und Hausverbot bekommen haben. Der Streit mit dem Großmarkt sei wohl nur ein "zufälliger Auslöser" gewesen.
Spiegel Online (17.5.2007)

1 Kommentar 31.5.07 05:41, kommentieren

Oettinger, Brunnhuber, Schönbohm und kein Ende.....

Von Dr. Rafael Korenzecher

Die Diskussion über den dummdreisten Lügen-Nekrolog und Opferverhöhnungsexkurs des Baden Württembergischen Ministerpräsidenten  Oettinger am Grabe des Totmach-Juristen Filbinger trifft bei weitem nicht die ganze Bandbreite der Angst machenden Problematik.

Das, was hier und jetzt vor unser aller Augen stattfindet, ist längst kein Fall Oettinger,  sondern zumindest auch ein Fall der moralisch verwahrlosten Lügen-Claqeure Strobl, Rech, Brunnhuber und vieler weiterer Sympathisanten, die sich mit jedem vergehenden Tag bezüglich ihrer rechten Gesinnung weiter enttarnen.

Dies auch und sogar verstärkt nach dem der Parteiraison und vor allem der opportunistischen Job-Verlustangst dargebrachten Entschuldigungs-Gemurmel Oettingers.

Besonders Brunnhuber – immerhin Vorsitzender der Baden-Württembergischen CDU-Landesgruppe im Bundestag - hat zur Freude aller redlichen Antisemiten aus seiner Rechtsaußen-Position heraus einen wirklich verdienstvollen und befreienden  Beitrag zur Klärung der verfahrenen Situation geliefert und uns endlich den wirklich Schuldigen präsentiert – die Juden.


Oettinger lügt unter dem Beifall seiner Parteikumpane einen verbohrten alten Nazi-Juristen posthum zum Nazigegner hoch und  Brunnhuber, für den das  eine „Meisterprüfung“ für die „christlich konservative Seele“ war, lokalisiert die Störenfriede vom Zentralrat der Juden als die eigentlichen Schuldigen, die mit Ihrer „überbordenden Kritik“ „in die Hände der Rechten“ spielen.


Die von Brunnhofer und seinen CDU-Gefolgsleuten in übelster Art vorgenommene Ausgrenzung von Bürgern jüdischen Glaubens aus der Gesamtmenge der kritischen Stimmen und die Verordnung eines Maulkorbs für Juden ist hetzerische Stimmungsmache braunster Couleur und Antisemitismus in Reinkultur.


Sie macht den Fall Oettinger zu einem Fall Brunnhofer und eigentlich zu einem Fall CDU.

Beunruhigend ist vor allem die in großen Teilen der Republik, in allen Gesellschaftsschichten gerade jetzt wieder spürbare sympathisierende Gleichgültigkeit und Indifferenz - wenn nicht sogar vorsätzliche Verweigerung - gegenüber diesem nach  60 Jahren Demokratie eigentlich unglaublichen Geschehen.


Dieses Signal der breiten Zustimmung zu den Thesen des verdächtig nah am braunen Gedankengut agierenden Brunnhofer-Kreises verbietet die - von der über jeden demokratischen Zweifel erhabenen Kanzlerin - pragmatisch gewünschte Beendigung der Diskussion.

Zu deutlich sind die Zeichen für die immer noch bestehenden Defizienzen  der demokratischen Entwicklung und für den immensen Bedarf an Aufarbeitung braunen Gedankenguts.


Für alle die es nur bemerken wollen, sind die Symptome eines Erstarkens der restaurativen, unsere Demokratie und Freiheit gefährdenden Entwicklung - insbesondere in den Jahren nach der Zusammenführung der beiden deutschen Staaten – erschreckender Weise nicht mehr zu übersehen.


Der von allen gefürchtete Klimawandel ist in unserem Land politisch bereits verheerend weit fortgeschritten.


Die Relativierung der Nazi-Verbrechen und die Geringachtung der Gefahr des - in nahezu allen Schichten akzeptierten - rechten Gedankenguts und seiner neonazistischen Auswüchse, wie Fremdenhass und Antisemitismus, haben Wirkung gezeigt.


Schlussstrichdebatten, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Jetztpolitik anderer Nationen sowie die - unter Weglassung von Ursache und Wirkung – an den Tag gelegte Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgreuel ergänzen diesen Sachverhalt.



In diesem Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten - ausschließlich die Beschwernisse der deutschen Ost-Kolonisatoren ausmalenden Herzrühr-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“. und die inflationierte Zahl von Talkshows mit unverbesserlichen  vermeintlich viktimisierten, für fremdes Leid völlig indolenten und wehleidigen Naziveteranen als Hauptfiguren.



Die Saat eines Ernst Nolte, Jenninger, Hohmann, Walser, Möllemann aber auch Mixa und Hanke und vieler weiterer Gesinnungsgenossen ist aufgegangen:



Von politischer Seite wird mit der Einzelfall-Lüge klein geredet, dass in „no go-areas“ und „national befreiten“ Gebieten vor den Augen gleichgültiger und häufig untätiger Mitbürger und Ordnungskräfte,  Übergriffe auf dunkelhäutige Fremde stattfinden, während jüdische Bürger - wie der Kippa-Test und tätliche Angriffe auf Rabbiner beweisen - es kaum noch wagen, sich als Juden zu erkennen zu geben.


In der Bundeswehr wird vorgeführt. wie Hass- und Agressions-Motivierung durch befohlene rassistische Fokussierung auf den „schwarzen Mann“ geübt wird und der Klerus veranstaltet unter der Führung eines einschlägig vorbelasteten deutschen Papstes einen ideologischen Feldzug gegen Israel, mit dem Ziel, durch Geschichtsfälschung aus dem Nazifreund und Wegsehpapst Pius XII einen Widerstandskämpfer mit Heiligenschein zu machen.


Keinesfalls hinderlich oder Anstoß erregend – nicht mal für allerhöchste Ämter - sind alte Mitgliedschaften in der NSDAP oder der Hitler-Jugend.


Mit Koketterie eingeräumte Zugehörigkeiten zu einer Mordgruppe wie der Waffen-SS werden heute clever für den Absatz eines sonstig unbeachteten drittklassigen Literaturelaborats verwendet.


Es ist in unserer Republik  salonfähig und opportun sich wieder nationalbewusst und in rechter Gesinnung zu präsentieren.


Das bringt Wählerstimmen und darauf zielt die skrupellose - keinesfalls durch die nachgereichte Pietäts-Begründung gegenüber einem Toten gedeckte - Geschichtslüge Oettingers und seiner Freunde.


Da kann es doch niemanden verwundern , wenn er sich nicht Hypokrisie vorhalten lassen möchte, dass in Baden-Württemberg ein Ministerpräsident versucht, sich beim Wahlvolk beliebt zu machen und den bis zum Tode uneinsichtigen NS-begeisterten Exekutionsjuristen Filbinger an der Wahrheit vorbei mit einem Persil-Schein zu versehen und ihn zum Nazi-Gegner zu stilisieren.


Daran ändert auch die anerkennenswerte und schnelle Reaktion der Kanzlerin nichts.

Der Glücksfall und die Chance, den ihre zweifelsfreie Integrität, ihre demokratische Ausgewogenheit und ihr politisches Fingerspitzengefühl sowie Ihr berechtigtes internationales Renommee für unsere Republik bedeuten, wird gerade in der eigenen Partei zu wenig erkannt und genutzt.

Die Brunnhubers und Schönbohms, die sie erdulden, sowie die Schelte und die kaum bemäntelten Anfeindungen, die sie von weiten Kreisen der CDU hinnehmen muss, sind ein trauriger Beleg hierfür.


Ein kleine wenn auch nur unwesentlich tröstliche Voraussage sei an dieser Stelle erlaubt - Oettinger wird als Ministerpräsident demnächst ohnehin entsorgt werden.


Trotz seiner Rückgrat-Biegeübungen und der viel zu spät, widerwillig, halbherzig und kaum vernehmbar in Raten hingeheuchelten Entschuldigungsfalsifikate sowie seiner  - nach spitzfindigem Beratergeheiß - vorgegaukelten, plötzlichen Begegnungs- und Dialogbereitschaft.

Sein Pech will es, dass zu den Opfern Filbingers nicht die üblichen Opfer ohne nationalen Sympathiebonus gehören, sondern die für diese Rolle eher untypische Gruppe deutscher Wehrmachtssoldaten. Dies wurde schon Filbinger nicht verziehen und wird auch einem Oettinger nicht verziehen werden.

Übrigenfalls werden Filbingers rechtslastige Diadochen um Brunnhuber den Dolchstoß gegen den rückgrat-weichen Meisterprüfungs-Versager Oettinger selbst ausführen.

Die nicht ohne Häme von Brunnhuber an Stelle Oettingers in Rom beim Papst vorgeführten Geburtstags-Trockenübungen bildet einen schönen Auftakt hierzu.

Dr. Rafael Korenzecher
Berlin Charlottenburg   
Jewish Berlin Online
Ehem. Mitglied des Rundfunkrats des SFB
Ehem. Repräsentant der Jüd. Gemeinde Berlin
http://drkorenz.myblog.de

1 Kommentar 17.4.07 18:26, kommentieren

De mortuis nihil, nisi bene - Der Fall Oettinger

von Dr. Rafael Korenzecher 

.                                                                ...noch einen Moment. Bald sind wir bereit.

                                                                     Noch einen Moment. Bald ist es so weit!

                                                                     Dann zeigen wir euch, was wir lernten!

                                                                                                              Erich Kästner


Die landesweit ausgebrochene Diskussion über den peinlichen, an dümmlicher Dreistigkeit kaum zu überbietenden Lügen-Nekrolog und Opferverhöhnungsexkurs des Baden-Württembergischen Ministerpräsidenten Günther Oettinger am Grabe seines Amtsvorgängers und Totmach-Juristen Filbinger verhüllt trotz ihrer ganzen Legitimität und trotz des bevorstehenden Sturzes Oettingers dennoch den Blick auf die eigentliche Thematik.
Die Beschränkung auf eine Personalisierung des Unrechts greift zu kurz und stellt bereits per se eine gefährliche – vielfach auch eine vorsätzliche – Bagatellisierung des gesellschaftlichen Problems dar.

Dem gesamten und erschreckenden Ausmaß dieses Problems wird man auch dann nicht gerecht, wenn man erkennt, dass es sich längst nicht mehr um einen Fall Oettinger sondern mindestens auch um einen Fall der moralisch verwahrlosten Lügen-Claqeure Strobl, Brunnhuber und Rech handelt.

Allen Beteiligten ist nämlich ohne jeden Zweifel zu unterstellen, dass sie gegen besseres Wissen mit zynischem Vorsatz und kaltem politischen Kalkül  an den unstrittigen historischen Gegebenheiten vorbei auf die breite Zustimmung der CDU-Basis weit über die Grenzen Baden-Württembergs hinaus zielen und - wie viele Diskussionsbeiträge belegen - leider auch treffen.

Unsere bundesrepublikanische Wirklichkeit ist voll von nahezu gleichartigen Bildern und Ereignissen, die sich in immer dichterer Chronologie aneinander reihen und in Furcht erregender Weise ähneln.

Die zusehends unverfrorenere Relativierung nationalsozialistischen Unrechts, die zunehmende Verharmlosung des unsäglichen Leids der Naziopfer, die Geringachtung der Gefährlichkeit und Gefahr des allgegenwärtigen, breit und unverhohlen in nahezu allen Schichten und gesellschaftlichen Gruppierungen der Bevölkerung akzeptierten rechten Gedankenguts und seiner - wie die nahezu täglichen Vorfälle von Fremdenhass und Antisemitismus belegen - sich häufenden neonazistischen Auswüchse haben längst Wirkung gezeigt.

Von tragenden gesellschaftlichen Gruppierungen genährte Nationalstolz-  und Schlussstrichdebatten, von eigener Schuld ablenkende Schuldzuweisungen an die historischen Rolle und Gegenwartspolitik anderer Nationen sowie die - unter bewusster Weglassung von Ursache und Wirkung -  wachsend vorgetragene Larmoyanz über deutsche Opfer vermeintlicher alliierter Kriegsgräuel ergänzen diese gesellschaftlichen Veränderungen in synergistischer Weise.

In diesem unseligen Trend liegen auch die zur besten Sendezeit ausgestrahlten – wieder unter Weglassung von Ursache und Wirkung - ausschließlich die Beschwernisse und Verluste der deutschen Ost-Kolonisatoren schildernden kommerzialisierten Herzrühr- und Tränendrück-Filme wie etwa der Publikumsrenner „Die Flucht“.
Im gleichen Sinne und teilweise bis zur Verklärung der Nazigrößen wirken die - auf Schaffung menschlicher Nähe zu den Nazi-Schergen zielenden - Streifen wie der „Der Untergang“, „Der Bunker“ oder gar dem Thema völlig unangemessene Schundkomödien wie „Mein Führer“.

Unterstützt wird diese Verharmlosung und Verdrängung der unsäglichen Verbrechen des Naziregimes sowie der Schuld der Beteiligten, der Profiteure und der Mitläufer durch die zwischenzeitlich inflationierte Anzahl von Fernseh-Talkshows mit  altersstarrsinnig uneinsichtigen, vermeintlich viktimisierten, dem fremden Leid gegenüber völlig verhärteten und wehleidigen Naziveteranen oder deren Witwen.

Die Saat eines Ernst Nolte, Philipp Jenninger, Martin Hohmann, Martin Walser, Jürgen Möllemann aber auch Walter Mixa und Gregor Hanke  und ihrer zahlreichen Gesinnungsgenossen ist wirklich aufgegangen:

Während von politisch verantwortlicher Seite mit Hilfe der Einzelfall-Lüge klein geredet oder sogar vernebelt wird, dass in ständig wachsenden rechtsradikalen  „no go-areas“ und so genannten national befreiten Gebieten vor den Augen günstigen Falls  gleichgültiger und häufig untätiger Mitbürger und Ordnungskräfte immer öfter verbale und physische Übergriffe auf Fremde und fremdländisch aussehende Deutsche stattfinden, während jüdische Mitbürger - wie der Kippa-Test und tätliche Angriffe auf Rabbiner beweisen  - es kaum noch wagen können, sich ungefährdet als Juden erkennen zu geben und farbige Personen ohne Gefahr gar nicht oder nicht mehr allein öffentliche Verkehrsmittel und andere öffentliche Bereiche nutzen können,  während in der Bundeswehr immer neue Skandale wie etwa die eben bekannt gewordene Hass- und Agressions-Motivierung durch befohlene rassistische Fokussierung auf den „schwarzen Mann“ geübt wird und während unter der Führung eines einschlägig geschichtlich vorbelasteten deutschen Papstes der Klerus einen ideologischen Feldzug gegen Israel führt, mit dem Ziel geschichtliche Fakten soweit zu verfälschen, um aus dem mit den Nazis sympathisierenden Wegsehpapst Pius XII einen Widerstandskämpfer mit Heiligenschein zu machen, kann es doch niemanden, der nicht als Heuchler gelten möchte, wirklich verwundern, wenn in Baden-Württemberg ein Ministerpräsident versucht, sich beim Wahlvolk beliebt zu machen und in gleicher Weise den bis zum Tode uneinsichtigen NS-begeisterten Exekutionsjuristen Filbinger an der historischen Wahrheit vorbei mit einem Persil-Schein zu versehen und ihn zum Nazi-Gegner zu stilisieren.

Immerhin – und auch das ist  bundesrepublikanische Wirklichkeit – kommen Personen mit verwandter Geisteshaltung verrstärkt zu Amt und Würden und machen unbehindert politische, kirchliche und gesellschaftliche Karrieren.

Ebenso wenig karrierehinderlich oder Anstoß erregend - auch für allerhöchste Positionen - sind alte  Mitgliedschaften in der NSDAP oder anderen NS-Organisationen wie der Hitler Jugend.
 
Eine nahezu mit Koketterie vorgebrachte  Einräumung der Zugehörigkeit zu einer Mordorganisation wie der Waffen-SS wird heute clever als geschicktes Werbemittel zur Absatzförderung eines sonstig unbeachteten drittklassigen Literaturelaborats verwendet.

Hier liegt das wirkliche Problem:

Es ist in unserer Republik wieder salonfähig und sogar opportun, sich betont nationalbewusst und in rechter Gesinnung zu präsentieren.

Das bringt Wohlwollen und Wählerstimmen und darauf zielt die skrupellose - keinesfalls durch die nachgeschobene Pietätsbegründung gegenüber einem Toten gedeckte - Geschichtsverdrehung Oettingers und seiner Parteifreunde.

Daran ändert auch die anerkennenswerte und schnelle Reaktion der Kanzlerin nichts. Die Schelte, die sie dafür von der Südwest-CDU einstecken muss, ist ein weiterer Beleg hierfür.
Ein kleiner wenn auch unwesentlicher Trost bleibt - Oettinger wird, trotz der viel zu spät, widerwillig, halbherzig und kaum vernehmbar hingehauchten Entschuldigungsfalsifikate und nach spitzfindigem Beratergeheiß vorgegaukelten, plötzlichen Begegnungs- und Dialogaktivismen, gehen müssen.

Sein Pech ist es, dass zu den Opfern Filbingers nicht die üblichen - wegen der zahllosen Schlußstrichdebatten bereits aufgegebenen und verdrängten - Opfer ohne Rückhalt und Lobby gehören, sondern die für diese Rolle eher untypische Gruppe deutscher Wehrmachtssoldaten.

Dies wurde schon Filbinger nicht verziehen und wird auch einem Oettinger nicht verziehen werden.

Dr. Rafael Korenzecher
   Jewish Berlin Online
http://drkorenz.myblog.de   

   

1 Kommentar 14.4.07 20:27, kommentieren

Glanz und Elend der Gabriele P.  -  Geschichte eines Abstiegs 

von Dr. Rafael Korenzecher 

 

Neben allem anderen, was die jüngste Latex-Photoorgie der Provinz-Femme-Fatale Pauli und das von ihr bei ihren Selbstdarstellungs-Talkshows den Zuschauern plakativ hergezeigte Fußkettchen über die psychologischen Persönlichkeitsabgründe der Stoiber-Dompteurin offenbaren , ist es vor allem der vorgeführte eklatante Mangel an selbstdistanter Urteilskraft, der dieses CSU-Kuckucksei politisch nicht mehr tragfähig macht.

Vermutlich wird es eben diese Urteilsschwäche sein, die Frau Dr.Pauli zur Zeit noch davon abhält, freiwillig von der politischen Bühne abzutreten, um endgültig mit den Naddels, Kader Loths und Tatjana Gsells unserer bundessrepublikanischen Spaßgesellschaft in die sinnentleerte Glitzerwelt der Yellow Press abzutauchen. Für besonders hartnäckige Exhibitionisten(innen) gibt es auch – dem Dumm-Mach-Fernsehen sei’s gedankt – immer wieder Bedarf im Big-Brother Haus.

Allerdings bleibt die Befürchtung, dass Deutschland auch trotz des grellen Auftritts der bayerischen Landrätin wohl weiterhin den Superstar wird suchen müssen.

Freundlichst
Ihr
Dr. Rafael Korenzecher

1 Kommentar 2.4.07 12:52, kommentieren


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